Osteopathie als Therapie der Säuglingsasymmetrie


Bianka Pabst, Angela Schleupen

Studienziel: Entwicklung eines Bewertungsscores zur standardisierten Bewertung der idiopathischen Säuglingsasymmetrie (Teil A). Prüfung der Hypothese, ob eine idiopathische Säuglingsasymmetrie durch eine osteopathische Behandlung und Handling nach Bobath deutlicher vermindert werden kann, als durch Handling nach Bobath alleine (Teil B).

 

Studiendesign: Einfach verblindete, randomisierte Therapiestudie mit verblindeter Videoauswertung.

 

Setting: Aufnahme von 6 bis 8 Wochen alten Säuglingen, Untersuchung und Videodokumentation erfolgte in der pädiatrischen Universitätsklinik Mainz. Dauer der Studienarbeit von März 1999 bis März 2003.

 

Materials und Methoden: Entwicklung eines Bewertungsscores (Teil A): Bei insgesamt 50 Säuglingen wurden Spontanbewegungen, reaktive Bewegungen und metrische Items gefilmt, sie wurden von 5 unabhängigen Scorern bewertet.

Fallzahlbestimmung: Mit dem Bewertungsscore wurden 12 Kinder im Abstand von 4-6 Wochen im Spontanverlauf bewertet und die Fallzahl von n=32 ermittelt.

Randomisierte Therapiestudie (Teil B): Randomisierte Aufteilung der 32 Säuglinge in je 16 Säuglinge zur Kontroll- und Osteopathiegruppe. Intention-to-treat-Analyse. Verblindete Bewertung der Asymmetrie an Hand von Videoaufnahmen.

 

Intervention: Teil B: Osteopathiegruppe erhielt vier osteopathische Behandlungen und Handling nach Bobath im Abstand von jeweils einer Woche. Kontrollgruppe erhielt 4 Sham-Behandlungen und Handling nach Bobath im gleichen Abstand. Bei allen Säuglingen wurde eine Eingangs- und Abschlussvideoaufzeichnung durchgeführt. Zur Erfassung der Nebenkriterien wurden Fragebögen ausgefüllt.

 

Zielparameter: Wirksamkeitsnachweis der osteopathischen Behandlung und Handling im Vergleich zur Sham-Behandlung und Handling. Erfassung von Einflussgrößen auf die Asymmetrie und Begleitsymptomen zur Asymmetrie.

 

Ergebnisse: Teil A: Der optimierte Asymmetriescore setzt sich aus der Summe von vier Items zusammen. Für jedes Item können 1-6 Punkte vergeben werden, so dass ein Score von 4 Punkten das „symmetrische Ende“ und ein Score von 24 Punkten das asymmetrische“ Ende der Skala darstellt. Die statistische Auswertung zeigte eine gute Verlässlichkeit und Konsistenz des Asymmetriescores. Die Inter-Observer Reliabilität war vorhanden.

Teil B: Die Osteopathiegruppe zeigt eine Verringerung der Asymmetrie um ca. 25% (5,9 Punkte)  gegenüber der Kontrollgruppe, bei der sich die Asymmetrie um ca. 4% (1,2 Punkte) verringert hat.  Die Asymmetrie verbesserte sich bei ca. 80% der Kinder der Osteopathiegruppe; ca. 20% blieben in ihrem Asymmetriegrad unverändert. Bei den Kindern der Kontrollgruppe kam es bei 20% zu einer Verschlechterung der Asymmetrie, bei 50% blieb der Asymmetriegrad in etwa gleich und bei 30% der Kinder war er verbessert.

 

Schlussfolgerung: Es zeigt sich ein signifikanter Therapieeffekt der osteopathischen Frühbehandlung auf die idiopathische Säuglingsasymmetrie.