Anatomische Untersuchungen der Verbindungen des M. iliopsoas und seiner Faszie zu seinen Nachbarstrukturen im Bereich L4 bis zu seinem Ansatz

Sabine Bromm (COE)

 

Fragestellung: In dieser Studie handelt es sich um eine Recherche in der medizinischen und osteopathischen Literatur. Untersucht werden sollen die Verbindungen des M. iliopsoas in seinem Verlauf vom 4. Lendenwirbel bis zu seinem Ansatz am Trochanter minor. Anschließend werden die  Ergebnisse mit den Untersuchungen an den anatomischen Präparaten verglichen und offene Fragen beantwortet.

Material und Methoden: Mit einer systematischen Literatursuche werden Auskünfte zum M. iliopsoas gefun-den und ausgewertet. Die Recherche erfolgt in der Datenbank Medline, den Universitätsbibliotheken der Ludwig-Maximilians-Universität München, der Friedrich Alexander Universität Erlangen-Nürnberg, der Staatsbibliothek München und in privaten Sammlungen. Die ermittelten Thesen werden an 19 Präparaten im anatomischen Institut der Friedrich Alexander Universität Erlangen untersucht. Die Ergebnisse aus der Literatur und den Präparationen werden dann ausgewertet und für die osteopathische Praxis aufbereitet.

Ergebnisse: Einige Autoren erwähnen Verbindungsmöglichkeiten zwischen dem Caecum, dem Colon sigmoideum, den Vasa iliaca communis und dem Leistenband. In darauf-folgenden Präparationen werden diese bindegewebigen Verbindungen gefunden und fotografisch dokumentiert. Die Verbindungen vom 5. Lendenwirbel, dem Lig. ilio-lumbale, dem ISG, dem Os sacrum, den Ligg. sacroiliaca anteriora und dem Hüft-gelenk zum M. iliopsoas werden in der Literatur häufig beschrieben. Die so gefundenen Verbindungen bestehen aus Muskelfasern und Faszienverbindungen. In der bisherigen Literatur findet man keine Verbindung zwischen den Beckenorganen und dem M. iliopsoas. Bei der Faszienverbindung zwischen Psoas- und Becken-faszie wird von indirekter Verbindung gesprochen. Das gleiche gilt für die Verbindung zwischen dem  M. iliopsoas und den Organen des kleinen Beckens. Die Verbindung zwischen M. iliopsoas und den Vasa femoralis profunda am Trochanter minor wird bisher nur durch eine anatomische Studie von Boebel (1957) bestätigt. An den vorhandenen Präparaten können die entsprechenden Strukturen nicht überprüft werden, da sie durch die Vorbehandlung durch Medizinstudenten, bereits entfernt worden sind. So gibt es am Trochanter minor laut Aussage des Autors eine bindegewebsartige Verbindung zwischen M. iliopsoas und den Vasa femoralis profunda. In der Literatur findet man Aussagen über das Auftreten der Ansatzsehne des M. iliopsoas an seiner Muskelrückseite. Diese Aussage bestätigt sich in den Präparationen. Von weiteren Untersuchungen wird Abstand genommen, da es den Rahmen dieser Studie übersteigen würde und keinen weiteren praktischen Aspekt für die Arbeit des Osteopathen brächte, denn in den tastbaren Bereichen des M. iliopsoas befindet sich Muskelgewebe.

 

Schlussfolgerung: In dieser Untersuchung des M. iliopsoas werden Verbindungen vom M. iliopsoas zum Caecum, Colon sigmoideums, 5. Lendenwirbel, Lig. iliolumbale, ISG, Os sacrum, Ligg. sacroiliaca anteriora, den Vasa iliaca communis, der Beckenfaszie und zu den Organen des kleinen Beckens, dem N. femoralis, dem Leistenband, dem Hüftgelenk und zu den Vasa femoralis profunda gefunden und dokumentiert. Diese oben genannten Verbindungen sind fest und leiten Mobilitätseinschränkungen weiter. Unter Berücksichtigung dieser Verbindungen können die bestehenden Behandlungsansätze der genannten Strukturen erweitert werden, wie z.B. die Behandlung des ISG über das Leistenband. Über die biomechanische Wirkung des M. illiopsoas innerhalb des Beckenrings, mit Lendenwirbel und Oberschenkel wird diese Studie keine Aussagen treffen, da dies eine weiter Arbeit darstellen würde.