Therapeutische Wirksamkeit der osteopathischen Behandlung bei Patienten mit funktioneller Stimmstörung


Gina Braun, Gaby Seibl, Jana Skrivanek (COE)

 

Studienziel: Untersuchung der Fragestellung, ob osteopathische Behandlungen einen Einfluss auf das Ausmaß der stimmbedingten Behinderung des Patienten mit funktionellen Stimmstörungen im täglichen Leben haben und ob sie subjektive Missempfindungen des Patienten lindern können. 

 

Studiendesign: Klinische Prä-Post Studie.

 

Setting: Drei am COE ausgebildete Osteopathinnen führten die Studie von Januar 2007 bis Juni 2009 in ihren Praxen in München durch.

 

Patienten: 30 Patienten (Alter im Mittel 43,7 ± 10,5 Jahre; 23 Frauen, 7 Männer) mit einer von niedergelassenen HNO-Ärzten klinisch diagnostizierten, mindestens drei Monate bestehenden, funktionellen Stimmstörung (Dysphonie) und einem Mindestwert von 29 auf dem Gesamtscore des Voice Handicap Index (VHI) nahmen an der Studie teil. Vorraussetzung für die Studienteilnahme war, dass keine logopädische Therapie in Anspruch genommen wurde.

 

Intervention: Nach 6 Wochen behandlungsfreier Wartezeit wurden die Patienten in der 9-wöchigen Behandlungsphase 5 Mal individuell gemäß den gefundenen Dysfunktionen osteopathisch behandelt. Eine abschließende Erfassung der Zielparameter erfolgte 3 Wochen nach der letzten Behandlung und ein Follow-up fand 6 Wochen später statt.

Zielparameter: Primäre Zielparameter waren Einschränkungen beim Gebrauch der Stimme, gemessen mit dem VHI sowie stimmbedingte Missempfindungen, gemessen mittels visueller Analogskala. Als Nebenzielparameter wurden allgemeine Lebensqualität (SF-36) und osteopathische Dysfunktionen erfasst.

 

Ergebnisse: Die Gegenüberstellung der erhobenen Daten vor und nach der osteopathischen Intervention ergab in Bezug auf die Haupt- und Nebenzielparameter statistisch signifikante Verbesserungen. Das Kriterium „Einschränkungen beim Gebrauch der Stimme“ verbesserte sich statistisch signifikant (Differenz der MW = 16,6; 95 % CI: 10,9 bis 26,4; p=0,0005). Die Einschätzung der „Missempfindungen“ auf der VAS zeigte ebenfalls eine statistisch signifikant Verringerung der Beschwerden (Differenz der MW = 1,9; 95 % CI: 0,8 bis 3,0; p = 0,001). Der SF 36 spiegelte eine signifikante Steigerung der Lebensqualität, im Bereich „Körperliche Summenskala“ (Differenz der MW = 6,0; 95 % CI = 1,3 bis 10,7; p = 0,02), im Bereich „Psychische Summenskala“ (Differenz der MW = 5,8; 95 % CI = 1,2 bis 10,3; p = 0,02). Auf eine positive Langzeitwirkung der osteopathischen Intervention wiesen die konstanten Ergebnisse zum Follow-up.   

 

Schlussfolgerung: 5 osteopathische Behandungen in einem Zeitraum von 9 Wochen führen zu klinisch relevanten positiven Veränderungen des Ausmaßes der stimmbedingten Behinderung und subjektiver Missempfindungen bei Patienten mit funktioneller Dysphonie.  Weitere Studien zum Thema wären wünschenswert, insbesondere randomisierte kontrollierte Studien.